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Das Bautagebuch - Die wichtigsten Infos & Tipps

Auf einer Baustelle passiert ständig etwas Neues und viele Gewerke arbeiten gemeinsam an einem Bauprojekt. Wenn beispielsweise der Rohbau fertiggestellt ist, machen sich die Gewerke des Innenausbaus an die Arbeit und verlegen Leitungen und Rohre. Diese werden dann später verputzt und sind nicht mehr sichtbar. Doch wie kann  jetzt sichergestellt werden, wo genau die Rohre liegen?

Um den Überblick behalten zu können, ist das Bautagebuch eines der wichtigsten Dokumente auf der Baustelle. Jeder, der auf der Baustelle den Überblick behalten muss, sollte ein Bautagebuch führen, da es die wichtigsten Vorgänge bei einem Bauprojekt sicherstellt und es für die Bauüberwachung und Baustellendokumentation essentiell ist. Wenn alle Vorgänge und Fortschritte des Bauprojekts lückenlos und im Detail dokumentiert werden, kann z.B. durch Fotos und andere Dokumentationen sichergestellt werden, wo sich die Rohre und Elektroleitungen befinden. So können massive Schäden verhindert werden. Aber auch in möglichen Streitfällen kann die lückenlose Dokumentation helfen, die genauen Vorgehensweisen auch noch nach vielen Wochen eindeutig belegen zu können. Dennoch sehen viele Betriebe das Anfertigen eines Bautagebuchs als sehr lästig an, da es mit einem hohen Aufwand verbunden ist.  

In der Regel wird das Bautagebuch von einem Bauleiter oder einem beauftragten Architekten geführt. Für unabhängige Bauleiter und Architekten ist das Führen eines Bautagebuchs sogar verpflichtend, dies regelt die Leistungsphase 8 der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). 

Aber auch für private Bauherren, die nicht dazu verpflichtet sind ein Bautagebuch zu führen, kann es hilfreich sein, eines zu führen. Vor allem wenn Streitigkeiten zwischen den Beteiligten auftreten oder Mängel gefunden werden, kann es vor Gericht helfen und als Beweismittel dienen. Da ein Bauleiter oder Architekt aber in der Regel nicht jeden Tag auf der Baustelle anwesend ist, ist es wichtig, dass die einzelnen Gewerke und Handwerksbetriebe ebenfalls auf das Bautagebuch zugreifen können und alle wichtigen Details zum Bauablauf ergänzen. 

Du willst mehr über die Anfertigung eines Bautagebuchs erfahren und wissen warum es für alle Beteiligten auf der Baustelle von so hoher Bedeutung ist ? Dann bist du hier genau richtig! 

Das Bautagebuch und der Bautagesbericht - Was ist der Unterschied? 

Bautagebuch und Bautagesbericht - ist das nicht dasselbe?

Ein Bautagebuch wird sehr häufig mit dem Bautagesbericht verwechselt. Häufig werden die Begriffe in einem Handwerksunternehmen nicht einmal differenziert, da sie einen ähnlichen Zweck erfüllen: Die Dokumentation auf der Baustelle. Dennoch gibt es einen großen Unterschied zwischen Bautagebuch und Bautagesbericht. Der Unterschied liegt darin, was genau dokumentiert wird und wer das jeweilige Dokument zu führen hat.  Bautagebücher protokollieren den Fortschritt über den gesamten Bauablauf und werden in der Regel von dem zuständigen Bauleiter oder Architekten geführt. Bauberichte hingegen beziehen sich auf die tatsächlichen Ereignisse an einem einzelnen Bautag und werden von den jeweiligen Baufirmen und Handwerksunternehmen selbst geführt. Die Bauberichte beziehen sich also viel mehr auf die tatsächlich erbrachte Leistung, womit ein Soll-Ist Vergleich möglich wird. Wichtig ist hier, dass sich Bautagebücher und Bauberichte gegenseitig ergänzen. Der Bautagesbericht ist nämlich sehr nützlich für das Anfertigen des Bautagebuchs, da dieser eine detaillierte Dokumentation der einzelnen Bautage darstellt und diese ins Bautagebuch übernommen werden können.   

Das Führen eines Bautagebuchs - Für unabhängige Bauleiter und Architekten sogar Pflicht

Teilweise ist das Führen eines Bautagebuchs sogar verpflichtend. Ob ein Bautagebuch nun wirklich zur Pflicht gehört, hängt allerdings von der vertraglichen Vereinbarung ab. 

Wenn ein unabhängiger Bauleiter oder Architekt mit dem Bau eines Hauses beauftragt wird und die HOAI Bestandteil des Vertrages ist, sind diese gesetzlich in der Pflicht, ein Bautagebuch zu führen. Die Leistungsphase 8 der HOAI ,,Objektüberwachung - Bauüberwachung und Dokumentation’’ besagt, dass das Dokumentieren und die Bauüberwachung zur Grundleistung und vertraglichen Hauptverpflichtung gehört. 

Private Bauherren sind allerdings von dieser Pflicht ausgeschlossen. Das heißt, diejenigen, die den Bauauftrag einer Baufirma erteilen, z.B zukünftige Hauseigentümer, sind nicht in der Pflicht, ein Bautagebuch zu führen. Aber auch hier ist die Empfehlung, trotzdem eines anzufertigen, da es in wichtigen Situationen helfen kann, glaubwürdiger zu wirken und wichtige Punkte zu belegen.

Wie kann das Bautagebuch sinnvoll in deinen Handwerksbetrieb integriert werden?

Damit das Bautagebuch auch in deinen Handwerksbetrieb integriert werden kann, ist es wichtig, dass alle Beteiligten den Sinn des Bautagebuchs verstehen. Nicht nur für Architekten und Bauleiter ist es sinnvoll, ein Bautagebuch zu führen. Auch für deinen Handwerksbetrieb kann es besonders hilfreich sein, da das Bautagebuch zur Dokumentation der Arbeitsvorgänge dient und die Organisation auf der Baustelle deutlich erleichtert. Deine Mitarbeiter haben dann sofort alle Informationen des Bauablaufs und Baufortschritts auf einen Blick verfügbar, wie z.B. Material, Sondervereinbarungen und Wetterbedingungen. Somit können sie beispielsweise bei einem Personalwechsel viel einfacher an der zu erledigenden Arbeit anknüpfen. Zudem kann es auch für deinen Betrieb als Beweismittel dienen. Denn wenn alles im Detail und lückenlos dokumentiert ist, kannst du somit alle Vorgehensweisen und Vorgänge belegen und nicht für Mängel herangezogen werden, die du nicht verursacht hast. Damit aber auch alle Beteiligten auf das Bautagebuch zugreifen können, gibt es verschiedene Formen und Hilfsmittel zur Anfertigung eines Bautagebuchs, die im Folgenden erläutert werden.

Die Formen eines Bautagebuchs - Analoge und Digitale Varianten   

Wenn du ein Bautagebuch schreibst, ist es ganz dir überlassen, auf welche Art und Weise du es tust. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten. 

Die analoge Variante

Die klassische Form ist die Papierform. Du kannst dir entweder per PDF Vorlagen herunterladen und sie ausdrucken oder in ein Fachgeschäft gehen und dir dort Musterbögen zum Ausfüllen kaufen. Diese Musterbögen sind dann schon so vorgefertigt, dass alle verpflichtenden Angaben wie bei einem Protokoll nur abgefragt werden und somit nichts vergessen werden kann. Während der Baustellenbesuche notierst du dir also alle wichtigen Informationen zum Baufortschritt auf deiner Vorlage und machst gegebenenfalls Fotos für die Fotodokumentation. Danach solltest du die Daten auf deinen PC übertragen, damit alles vollständig an einem Ort gespeichert ist. Diese Variante ist die kostengünstigste Variante, ein Bautagebuch anzufertigen. Sie ist allerdings auch mit einem hohen Aufwand verbunden, da hauptsächlich die Nacharbeit viel Zeit in Anspruch nimmt. 

Die digitalen Varianten

Dank der Digitalisierung ist die digitale Dokumentation aber mittlerweile schon die Regel. Auch ein Bautagebuch kann digital geführt werden. Dafür gibt es heutzutage zahlreiche Apps und Software, die das Führen des Bautagebuches deutlich vereinfachen sollen. Auf Laptops und Smartphones kannst du dann die Daten und Fotos einfach abspeichern und hast sofort alles auf einen Blick.

1. Das digitale Bautagebuch mit einer reinen Desktopanwendung

Wenn du mit einer Software arbeiten möchtest, gehst du zunächst genauso vor wie bei der klassischen Variante mit Stift und Papier. Während der Baustellenbesuche nimmst du alle wichtigen Informationen zum Baufortschritt auf und überträgst diese später auf den PC, allerdings direkt in die Software. Die Bautagebuch Software erleichtert dir die Übertragung, indem sie dir die verpflichtenden Kategorien vorgibt. So gehst du sicher, dass keine wichtigen Informationen vergessen werden und alle wichtigen Daten an einem Platz gespeichert sind.

Das hat allerdings den Nachteil, dass die Daten weiterhin händisch übertragen werden müssen und somit der Aufwand weiterhin sehr hoch ist. Deshalb ist die optimale Variante eine Kombination aus App und Desktop Software, welche im Folgenden aufgeführt wird. 

2. Das digitale Bautagebuch als Kommunikation zwischen mobiler Appanwendung und Desktop Version

Die Dokumentation mit einer App ist die Variante mit dem geringsten Aufwand, da du alle Informationen während der Baustellenbesuche direkt in der App dokumentieren kannst und somit keine Nacharbeit erforderlich ist, da die Daten automatisch direkt an das Büro in die Desktop-Anwendung übertragen werden. Ein großer Vorteil ist auch, dass du überall und jederzeit auf die Daten zugreifen kannst und sogar alle Mitarbeiter, die für das Bauprojekt arbeiten, wichtige Informationen und Bauberichte direkt über die App erfassen können. Zudem ist auch eine direkte Kommunikation mehrerer Beteiligter innerhalb der App möglich. 

Eine lückenlose Baustellendokumentation - Worauf du achten solltest - Checkliste 

Anders als der Begriff ,,Tagebuch’’ vermuten lässt, kommen in das Bautagebuch ausschließlich Daten und Fakten. Wenn das Bautagebuch im Ernstfall als Beweismittel dienen soll, ist es wichtig, dass das Bautagebuch alle wichtigen Angaben enthält. 

Folgende Angaben sind auf jeden Fall einzubinden: 

  1. Das Startdatum des Bauprojekts 
  2. Alle Angaben zum  Baufortschritt 
  3. Ausführende Firmen und Gewerke 
  4. Anwesende beteiligte Personen (Architekten, Ingenieure, Bauleiter, Bauherren, Bauprüfer, Gewerke, Handwerker etc.) 
  5. Angaben zu vorhandenem Material und Geräten auf der Baustelle 
  6. Spezielle Baumaßnahmen, die nur durchgeführt werden können wenn ein Bauleiter auf der Baustelle ist  
  7. Störungen und Abweichungen 
  8. Durchgeführte Prüfungen und Messungen 
  9. Besondere Vorfälle
  10. Eine Fotodokumentation von allen Bauabschnitten, auch von z.B. Rohrleitungen und Kabeln bevor sie verfüllt oder verputzt werden 
  11. Protokolle von Besprechungen und Anweisungen des Bauleiters. Hier ist es wichtig, dass alle Beteiligten unterschreiben 
  12. Abnahmeprotokolle und Bauberichte  
  13. Datenblätter, z.B. Betriebsanleitungen 

Zusätzliche Angaben die je nach Gewerk hinzukommen könnten: 

  1. Angaben zur Immobilie 
  2. Angaben zum Wetter, wenn es Auswirkungen auf den Baufortschritt haben kann

Jedes Bautagebuch wird individuell angefertigt und es fallen auf einer Baustelle auch nicht jeden Tag alle Punkte an. Das Wichtigste ist, dass du das Bautagebuch möglichst lückenlos führst und alles, was dir auffällt, dokumentierst. Nur mit einer lückenlosen Bauüberwachung bist du aus juristischer Sicht bei eventuellen Streitigkeiten oder Problemen vor Gericht gut gewappnet. 

Die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick: 

1. Welche Funktion erfüllt das Bautagebuch? 

Das Bautagebuch dient dazu, den Entstehungsprozess eines gesamten Baus zuverlässig und im Detail zu dokumentieren. Insbesondere bei Streitfällen oder Störungen und Mängeln kann es ausschlaggebend sein. Dem Bautagebuch kann also die Dokumentations- und Beweisfunktion zugesprochen werden.

2. Was passiert, wenn das Bautagebuch nicht richtig geführt wird? 

Wenn der Pflicht zum Führen eines Bautagebuchs nicht nachgekommen wird, zählt dies zu einer mangelhaften Leistung, dies besagt die HOAI. Wenn in der Baustellendokumentation also wichtige Angaben fehlen, kann es im Streitfall dazu führen, dass die Bauleiter oder Architekten gewährleistungspflichtig sind und deshalb Honorarminderungen die Folge sind. 

3. Wer sollte das Bautagebuch unterschreiben? 

Idealerweise sollte es von allen Beteiligten wie Fachbauleiter, Bauherren, Architekten und Handwerkern etc. unterschrieben werden, um in wichtigen Situationen gewährleisten zu können, dass alle Beteiligten den Sachverhalt angehört und diesem zugestimmt haben . 

4. Was sind die Vorteile einer Kombination aus App und Desktop Version?

Wenn eine Software mit App und Desktop Version für das Führen eines Bautagebuchs verwendet wird, ist der größte Vorteil, dass alle wichtigen Informationen an einem Ort gespeichert werden und keine Details vergessen werden können, da alle verpflichtenden Kategorien vorgegeben sind. Die Nutzung der App macht effizientere Prozesse möglich und dient zur schnelleren und flexibleren Erfassung aller wichtigen Daten, da jede beteiligte Person immer und überall Angaben ergänzen kann und die Kommunikation zwischen allen Gewerken des Bauprojekts somit gewährleistet werden kann. Zudem ist keine Nacharbeit mehr erforderlich, da die erfassten Daten in der App automatisch ins Büro auf den Desktop übertragen werden. 

5. Wie oft sollte das Bautagebuch aktualisiert werden? 

Die Angaben im Bautagebuch sollten für eine lückenlose und detaillierte Baustellendokumentation täglich ergänzt und aktualisiert werden. Ist der Bauleiter oder der Architekt nicht jeden Tag auf der Baustelle anwesend, sollten die Gewerke selbst alle wichtigsten Angaben ergänzen, damit das Bautagebuch immer auf dem aktuellsten Stand ist. 

Fazit

Viele Unternehmen sehen die Anfertigung eines Bautagebuchs als sehr lästig an, da es mit einem hohen Aufwand und Mehrarbeit verbunden ist.

Doch bei nahezu jedem Bau geht früher oder später etwas schief. Oft hilft ein Blick ins Bautagebuch, um dem Fehler besser auf die Spur zu gehen und den Verantwortlichen ausfindig machen zu können. Es hilft nicht nur Bauleitern oder Architekten, sondern auch Handwerksbetrieben, um zu belegen, dass sie nicht für den Schaden oder den Mangel verantwortlich sind. Aus Eigeninteresse sollten daher auch Handwerksbetriebe viel Wert auf die Anfertigung eines Bautagebuches legen. 

Heutzutage gibt es viele Hilfsmittel, um die Anfertigung eines Bautagebuches zu vereinfachen. Die beste Variante ist hierbei eine Software mit Kombination aus Desktop Version und App.

Hier bleibt den Beteiligten die Nacharbeit im Büro erspart, da alle entsprechenden Details direkt auf der Baustelle in die App eingetragen werden können und automatisch ins Büro auf die Desktop Version weitergeleitet werden. 

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